Der Papst und die Rechtfertigung seines Amtes

Veröffentlicht auf von Paramantus

Bei Matthäus 16, 18-19 heißt es:

"16,18 Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. 16,19 Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein."

Mit diesem Auszug rechtfertigt die Kirche das Amt des Papstes. Die Sache liegt doch immerhin klar auf der Hand: Jesus übergibt Petrus die Schlüssel fürs Himmelreich. Petrus wird Kirchenvater und quasi der erste Papst. Fertig.
Nun ja, so einfach ist das aber nicht. Es ist in meinen Augen sogar komplett falsch. Grundsätzlich komme ich zunächst einfach nicht damit klar, dass ein so unheimlich mächtiges Amt auf einen einzigen kleinen Satz zurückgeführt wird. Zudem ist er nicht mal eindeutig. Man sollte sich den Satz nämlich mal im Zusammenhang anschauen:
"(13) Da kam Jesus in die Gegend von Cäsarea Philippi und fragte seine Jünger und sprach: Wer sagen die Leute, daß der Menschensohn sei? (14) Sie sprachen: Einige sagen, du seist Johannes der Täufer, andere, du seist Elia, wieder andere, du seist Jeremia oder ceiner der Propheten. (15) Er fragte sie: Wer sagt denn ihr, daß ich sei? (16) Da antwortete Simon Petrus und sprach: Du bist Christus, des lebendigen Gottes Sohn! (17) Und Jesus antwortete und sprach zu ihm: Selig bist du, Simon, Jonas Sohn; denn Fleisch und Blut haben dir das nicht offenbart, sondern mein Vater im Himmel. (18) Und ich sage dir auch: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen, und die Pforten der Hölle sollen sie nicht überwältigen. (19) Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein."
In diesem Auszug geht es allgemein um Jesus, genauer gesagt darum wer Jesus sei. Er (Jesus) fragt seine Jünger was sie über ihn denken. Petrus antwortet und dann gibt es anscheinend zw. ihm und Jesus einen Dialog. Aber: Ist mit dem Felsen tatsächlich Petrus gemeint? Ist damit nicht eher Christus selbst gemeint, der durch den felsenfesten Glauben Petri bildlich dargestellt wird? Es wäre nicht weit hergeholt wenn man hierbei von einem griechischen Wortspiel ausgeht: Petrus (griech. "petros" - "petra", griech. für "Felsen") steht hier stellvertretend für den Glauben: Der Satz bezieht sich also nicht auf die Person Petrus, nicht auf ihn als Mensch, der eine Gemeinde im Namen Jesu aufbauen soll, sondern auf den felsenfesten Glauben, den er (Petrus) bildlich darstellt. Es ist ein kleiner, aber ein feiner und wichtiger Unterschied.

Kritik an dieser Interpretation könnte man ausüben, wenn man Vers 19 hervorhebt. Schließlich heißt es doch da: "Ich will dir die Schlüssel des Himmelreichs geben: alles, was du auf Erden binden wirst, soll auch im Himmel gebunden sein, und alles, was du auf Erden lösen wirst, soll auch im Himmel gelöst sein." Scheinbar spricht Jesus Petrus direkt an, sodass man anführen könnte, dass auch im vorherigen Satz er als Person gemeint war und nicht lediglich der Glaube. Doch holt man ein wenig weiter aus, wird einem klar, dass diese direkte Anrede nichts weiter als ein stilistisches Mittel ist, bei dem der Schein des Dialogs mit einer Person vermittelt wird um ein Thema bewegender zu gestalten. Und der Beweis dafür findet sich wenn man in der Bibel einfach weiterliest: 2 Kapitel weiter heißt es bei Mt 18, 18:

"Wahrlich, ich sage euch: Was ihr auf Erden binden werdet, soll auch im Himmel gebunden sein, und was ihr auf Erden lösen werdet, soll auch im Himmel gelöst sein".

Na? Fällt was auf? Hier spricht Jesus in der Mehrzahl, sagt aber inhaltlich haargenau dasselbe, wie 2 Kapitel davor zu Petrus. So ist in dem scheinbaren Dialog mit Petrus nicht Petrus allein gemeint; diese Allmacht verleiht Jesus allen seinen Jüngern und damit allen die an ihn (als Sohn Gottes) glauben. Jeder gläubige Christ besitzt diese "Macht", denn jeder ist vor Gott gleich. Dass Jesus öfters "du" benutzt um allgemeine Dinge zu verweden ist nicht selten. Es ist, wie gesagt, ein Stilmittel.

Man sieht: Der direkte Bezug auf Petrus als Oberhaupt der Kirche ist nur durch diesen einen Satz zu rechtfertigen; ein Satz, der jedoch im kompletten Zusammenhang völlig anders herüberkommt.

Soviel zur Interpretation. Doch es gibt noch mehr: Die Tatsache, dass Petrus als eine Person mit einem überaus aufbrausenden und durchaus wankelmütigen Charakter beschrieben wird. Dann - um wieder ein wenig historisch zu werden - noch die fragwürdige Behauptung, dass Petrus in Rom war und dort gekreuzigt wurde. Es ist eher davon auszugehen, dass er niemals dort gewesen, geschweige denn dort gestorben sei.

Als Fazit stelle ich am besten eine Frage: Könnte es, wenn man sich die Evangelien durchliest, tatsächlich Jesu Wunsch gewesen sein, Petrus zum Oberhaupt seiner Gemeinde zu machen? Wollte Jesus diesen Mann namens Petrus tatsächlich zu seinem Nachfolger auf Erden machen?

Die Antwort kann nur "nein" lauten!

Veröffentlicht in Glaubensfragen

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