Wie ich den Rosenmontag überlebt habe

Veröffentlicht auf von Paramantus

Ich freue mich sehr, denn es war keine leichte Sache. Ich musste an diesem Tag nämlich zwangsweise durch die Stadt laufen und zwar auch noch durch kontaminiertes Gebiet, in dem sich unzählige Infizierte (Mutanten) ihrer krankhaften Neigungen hingaben: Saufen und singen, wofür bekanntlich ein Hirn zersetzendes Virus, das immer Anfang Februar im Südwesten Deutschlands wütet, verantwortlich ist.

Was also tun um den Kontakt zu vermeiden? Eine Waffe besaß ich schließlich nicht und selbst wenn, so wäre es ein sinnloses Unterfangen gewesen, da man bei weitem nicht genug Munition dabei haben konnte um sich alle Mutanten vom Leib zu halten. So musste eine andere Lösung her. 

Ich überlegte mir zunächst durch die Kanalisation zu laufen, entschied mich aber letztendlich aus hygienischen Gründen dagegen, da ich von einer vergangenen Epidemie dieser Art wusste, dass Infizierte sich stets mehrmals erbrechen und auch sonst ihre Körperflüssigkeiten unkontrolliert ausscheiden, was natürlich alles mit der Zeit in der Kanalisation landet. Ich wollte kein Risiko eingehen, also war mein zweiter Gedanke über die Dächer der Stadt an mein Ziel zu gelangen. Dieser Plan scheiterte jedoch bereits im Entstehen an meiner Kondition: Ich bin schließlich kein Geheimagent oder Kletterkünstler oder beides.

So blieb mir nichts anderes übrig als auf das zurückzugreifen, was ich am besten kann: Nein, nicht junge Mädchen verführen, sondern listenreich sein. Ich entschied mich dafür den Mutanten vorzuspielen ich sei einer von ihnen um mich so unbemerkt durch sie hindurch zu bewegen. Waghalsig, ich weiß, auch wenn andere das eher als verrückt oder lebensmüde bezeichnen würden, doch ich hatte einfach keine Wahl.

 

Die Außenbezirke der Stadt waren nicht so sehr von der Krankheit betroffen, sodass der erste Teil des Weges recht problemlos verlief. Je näher ich der Innenstadt kam, desto schneller schlug mein Herz jedoch. Ich merkte wie meine Atemzüge immer kürzer wurden und wie die ersten Schweißperlen sich auf der Stirn bildeten. Ich hatte Angst. Furchtbare Angst, denn so langsam bereute ich meine Entscheidung keine Mutanten ähnliche Merkmale am Körper tragen zu wollen, was meinem Plan vielleicht zu Gute gekommen wäre. Doch jetzt war es zu spät. Das wusste ich schlagartig, als mir auffiel, dass ich bereits in Hörweite ihrer unmenschlichen Gesänge war: "Bier und 'nen Appelkorn, schalalalala" dröhnte es apokalyptisch hinter den Häuserecken hervor und leichte Verzweiflung überkam mich; doch genau durch jenes Gebiet musste ich durch.

Ich musste mich zusammenreissen, wischte mir den Schweiß weg, atmete ein paar mal tief durch und war bereit meinem Schicksal entegegenzutreten. Gerade als ich den ersten Schritt machen wollte, kamen mir aber auch schon einige Mutanten  unerwartet entgegen. Panik erfasste mich. Hatten sie vielleicht meine Angst riechen können? Bin ich entlarvt? Was werden sie mit mir machen?

Aber es passierte nichts, sie gingen ohne mich zu beachten an mir vorbei. Welch ein Glück, es waren einige Mutanten im Endstadium, wie ich an ihren Bewegungen ausmachen konnte. Bei solchen Exemplaren ist der Hirnfraß so weit vorangeschritten, dass man sie eigentlich kaum mehr zu fürchten braucht. Trotzdem war Vorsicht geboten, denn nun gab es kein Zurück mehr und ich kam der zentralen Zone immer näher. Eine Straßenbiegung noch und ich stand plötzlich mittendrin, doch so grauenvoll hatte ich es mir nicht vorgestellt: Mutanten aller Altersklassen - die infizierten Kinder machten mich besonders traurig - torkelten durch stellenweise knietiefen Müll und riefen sich ständig in völlig unverständlicher Sprache merkwürdige Dinge zu. Sie waren mehr Tier als Mensch und bewegten sich unrhythmisch zu der Musik, die ich schon vorher von weiter weg hören konnte. Sie war nachwievor grässlich und tat mir in den Ohren weh, doch es schien die Mutanten zu beruhigen, was mich schlussfolgern ließ, dass die vielen Musikanlagen in diesem Gebiet wohl gezielt vom Militär eingesetzt wurden, um die Mutanten besser im Zaum halten zu können.

 

Wie dem auch sei, ich stapfte todesmutig und gemäßigten Schrittes - ich wollte schließlich nicht unnötig auffallen - durch die Massen und bahnte mir so gut es ging einen Weg durch die verdreckten Straßen. Es schien zu klappen, niemand nahm Notiz von mir und nach nur einer weiteren Abbiegung wäre ich in Sicherheit gewesen, doch ich freute mich zu früh: Plötzlich stellten sich mir 2 Infizierte in den Weg. Ich blieb wie erstarrt stehen, hielt den Atem an und war auf alles gefasst. Es handelte sich bei den beiden um zwei junge weibliche Mutanten mit bunten Haaren und bemalten Gesichtern - als Menschen waren sie mal bestimmt sehr hübsch... Da trat eine auf mich zu und fragte mit schwer verständlichen Lauten:

"Ey, was stellst du denn dar?!" worauf ich in meinem Willen die List aufrechtzuerhalten erwiderte:

"Einen Karnevalshasser".

Die zwei Mutantenfrauen schauten sich bei meiner Antwort gegenseitig an, dann blickten sie wieder zu mir und fingen laut an zu lachen, worauf sie gleichzeitig meinen Weg freimachten. Ich nutzte die Gelegenheit und eilte weiter und es dauerte keine 50 Meter bis ich endlich aus der Zone draußen war. Ich beschleunigte meine Schritte, die Musik und die ganzen Rufe wurden leiser, bis sie irgendwann ganz verstummten...

 

Geschafft. Ich habe überlebt.

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Mika 11/25/2008 11:37

*löl*
Gratzü - ich werd mir die Taktik mal merken wenn das hier auch wieder losgeht. *heimlich Pappnase reich* Hier. Grund-Tarnausrüstung. >_>
*wegrobb*

Paramantus 11/25/2008 17:07


Danke. Vielleicht rettet mit die Pappnase ja noch mal das Leben, wer weiß... ;-)