EM: Türkeneinfall gestoppt. Deutschland im Finale

Veröffentlicht auf von Paramantus

Wie schon anno 1683, sind die Türken gestern erneut erfolgreich daran gehindert worden Wien einzunehmen. Und sogar die Verteidiger sind fast die gleichen: Damals war es das Heilige Römische Reich Deutscher Nation, das die Osmanenhorden zurückdrängte, heute war es das Heilige Sportliche Reich Deutscher Fussballnation.

 

Aber lassen wir die politisch unkorrekten Witze lieber sein und widmen uns dem Spiel, das erstaunlich knapp und ebenso spannend war. Bis zur allerletzten Minute. Die Türken hatten viel mehr Chancen, nutzten sie jedoch einfach nicht konsequent aus.  Deutschland kam irgendwie nicht richtig ins Spiel, machte oft Fehler und hatte deutliche Probleme mit dem großen Kampfgeist der Türken, die zu keiner Sekunde locker ließen und denen man ansah, dass sie unbedingt ins Finale wollen. Das wollten die Deutschen natürlich auch, aber das war ihnen kaum anzumerken. Viel zu nervös, viel zu zögerlich und viel zu träge bewegten sie sich über den Platz. So war die türkische Führung zum 1:0 und auch der spätere Ausgleich zum 2:2 mehr als berechtigt. Dennoch wurde am Ende die größere Spielerfahrung belohnt: Die deutsche Elf brauchte für ihre drei Tore am Ende nicht sonderlich mehr Torchancen, die Türkei dagegen tat sich mit der Chancenauswertung viel zu schwer und darf sich zurecht über ihr Ausscheiden aus dem Turnier ärgern.

 

Über den Bildausfall in der zweiten Halbzeit werde ich mich nicht lange auslassen: Ein Hoch auf das schweizer Fernsehen! Das muss reichen.

 

Interessant wurde es nach dem Spiel, als wieder in allen Ortschaften Autokorsos den Verkehr - und die Gehörgänge - lahmlegten. Ich selbst habe mir dieses Spektakel in der Trierer Innenstadt näher angeschaut, doch habe ich mich abseits der Begeisterung für die nicht enden wollenden Hupkonzerte gefragt, was das Ganze denn überhaupt soll. Ich meine, es ist "nur" der Einzug ins Finale, verdammt nochmal. Die Menschen haben gefeiert, als wäre Deutschland bereits Europameister. Selbstverständlich ist die Finalteilnahme durchaus ein großes Ereignis, doch sehe ich da trotzdem einen nervigen Trend auf uns zukommen: Wird man jetzt in Zukunft diese Autokorsos nach jedem Freundschaftsspiel erleben?

Deutschland - Färöer, 13:0, Olé Olé Olé

 

Ich hoffe nicht.

 

Wie auch immer, in Trier - wie wohl überall in Deutschland - ging es gestern heiß her, auch wenn ich sehr enttäuscht über die mangelnde Kreativität der Fans war. Magere drei Rufe dominierten die Nacht nach dem Spiel: Deutschlaaand, Deutschlaaand. Finaaale. So sehen Sieger aus, schalalalaaa. Das war's. Wo sind denn bitte die Klassiker von Queen (We are the champions) und Tony Marshall (Olé Olé wir sind die Champions) geblieben? Oder mit deutschen Texten versetzte Refrains von "Go West" oder "The final countdown"?

Wenigstens griff in Trier zu späterer Stunde der Lokalpatriotismus durch und die Meute sang, nachdem sie ein Linienbus kaperte, ein Loblied auf die Saarländer Nachbarn:

Oléééé, scheiß Saarbrücker Hurensöhne...!

 

Insgesamt blieb alles sehr friedlich. Die Polizei war zwar präsent, doch musste sie nicht einschreiten. Zumindest nicht oft und vor allem nicht gewaltsam. Die Beamten konnten es sich sogar erlauben in der Fußgängerzone mehrere Bänke zu belagern und locker und gemütlich zu plaudern und eine Zigarette zu rauchen. Dieses Bild kann aber auch lediglich das Bild des typischen Trierer Polizisten widergespiegelt haben, ich war mir da nicht ganz so sicher...

 

Zu guter Letzt noch einige Fotos:

 

 

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