Einhundertzweiunddreißig

Veröffentlicht auf von Paramantus

132. Einhundertzweiunddreißig. Wer in letzter Zeit die Nachrichten verfolgt oder den "Stern" gelesen hat, wird mit dieser Zahl sicher was anfangen können. Allen anderen sei gesagt: Nein, das ist nicht der BMI von Ottfired Fischer, es ist auch nicht die Anzahl der Fans der Serie "Moonlight" und es ist erst Recht nicht die Summe der zusammengezählten IQ-Werte sämtlicher NPD-Parteimitglieder. Die liegt nämlich bei vier.

Bei 132 handelt es sich um die Zahl in Euro, womit nach einer Studie zweier Wirtschaftswissenschaftler ein durchschnittlicher Mensch pro Monat leben kann,  wenn man nur die tatsächlich lebensnotwendigsten und gleichzeitig günstigsten Artikel in Anspruch nimmt, von Lebensmittel, über Hygieneprodukte, bis hin zu Kleidung und Möbel. Mietkosten ausgeschlossen, da vom Staat übernommen. Natürlich bliebe da kein Geld für Freizeitaktivitäten oder, Gott bewahre, Genussmittel übrig, doch wer braucht sowas schon?

Ein Zoobesuch? Unsinn, wilde Tiere sieht man auch bei jedem Sommerschlussverkauf. Alkohol? Zigaretten? Nicht doch, ist doch alles ungesund. Kondome für ein kleines Abenteuer? Also bitte, der Staat unterstützt doch keine Hurereien. Ein Ausflug? Die Nachbarschaft kann doch auch ganz nett sein. Bücher? Wozu gibt es denn Büchereien?

In den Augen der Wirtschaftsexperten sind solche luxuriösen Dinge eben absolut überflüssig und unnötig. Freie Persönlichkeitsentfaltung hat in einem Soziaslstaat nun mal nichts zu suchen.

 

Diese Studie ist ein Wink in Richtung Hartz IV, um zu verdeutlichen, dass da noch mehr Kürzungen möglich sind. Wer auf Staatskosten lebt, sollte nur mit dem Allernötigsten zurecht kommen. Der Staat hat schließlich nicht dafür zu Sorgen, dass die Bürger sich wohl fühlen, sondern lediglich, dass sie überleben können. Und mit 132 Euro im Monat ginge das nun mal sehr gut.

 

Kritische Stimmen ließen jedoch nicht lange auf sich warten. Unzumutbar und menschenverachtend sei diese Studie, hieß es. Stellte man Arbeitssuchenden ganze 132 Euro zur Verfügung, müssten Politiker mindestens vier weitere Jahre auf Diätenerhöhungen warten. Und das kann einfach nicht sein, immerhin werden in vier Jahren viele gar nicht mehr im Amt sein. Und Reisen, Drogen und Prostituierte würden schließlich auch immer teurer werden.

Aus diesem Grund ist von anderen Wirtschaftsexperten eine weitere Studie erstellt worden, deren Ergebnis vorsieht, dass nicht 132, sondern 4,49 Euro völlig für einen Arbeitslosen ausreichen. So viel kostet nämlich eine Gewehrkugel. Natürlich eine vom Discounter. 

Anstatt also unnötig Geld für seine Bürger auszugeben und sich ständig anhören zu müssen, dass man immer nur von denen nimmt, die eh schon zu wenig haben, möchte die Regierung die ganze Problematik wegwischen, indem sie Arbeitslose endlich so behandelt wie diese anscheinend eh schon die ganze Zeit betrachtet werden, nämlich als lebensunwürdige Kriminelle. Die praktische Konsequenz: Wer nach einem Jahr keine Arbeit findet, wird exekutiert.

 

Willkommen in Utopia.

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