Von Eisbären und Kartoffelkäfern

Veröffentlicht auf von Paramantus

Nach dem riesigen Medienrummel um Eisbärjunge Knut und dem neulichen um Eisbärmädchen Flocke, ist es wohl die logische Folge, dass sich ein regelrechter Trend daraus entwickelt, Tierbabies eines Zoos in ein besonderes Rampenlicht zu präsentieren.

 

Doch Babies wachsen und verlieren nach einiger Zeit ihren Knuddelfaktor, sodass, wie zum Beispiel im Fall von Knut, mit bescheuerten Pseudo-Horror-Meldungen à la "Knut killt Karpfen - Zoobesucher schockiert" auf den einstigen Liebling aufmerksam gemacht werden muss, damit der Zoo überhaupt noch etwas davon hat...

Der armen Flocke wird das auch noch widerfahren. Passend zum Namen werden die Schlagzeilen in einem Jahr bestimmt mit folgender Alliteration auftrumpfen: "Flocke frisst Forellen - Zoobesucher fallen in Ohnmacht"...

 

Nichstdestotrotz möchte sich nun der Zoo in Hintergrubenau diesem Trend anschließen und im kommenden Sommer einen absoluten Star in Szene setzen: Karl, den Kartoffelkäfer.

 

Seit dessen Schlüpftag an einem warmen Januarmorgen diesen Jahres, ist er der beliebteste Zoobewohner, von Jung und Alt bewundert und angehimmelt. Und so kümmern sich bereits seit 2 Wochen angeheuerte mongolische Kartoffelkäfer-Experten um das Wohl des kleinen Karl, für den am 18. Juni der Zoo ein Spektakel auf die Beine stellen wird, das alle bisher dagewesenen olympischen Spiele im Vergleich dazu zu billigen Straßenfesten degradiert.

 

Der Bürgermeister von Hintergrubenau, Alois Humpperdink - ein mit der Herstellung von Kauknochen reich gewordener Milliardär - hat bereits ein Vermögen dafür ausgeben, um Karl im Sommer der ganzen Welt vorstellen zu können.

 

Reporter und Kamerateams aus aller Herren Länder werden am 18. Juni im beschaulichen Zoo versammelt sein, wo mit einer Flugshow, einem eigens für dieses Ereignis angeschaffenen Jahrmarkt und durchgehend riesigem Feuerwerk, Karls großer Auftritt gefeiert wird.

Ein ganz besonderes Highlight wird sicherlich das große Konzert am Abend sein, auf dem zu Ehren Karls nahmhafte Künstler wie Sting, U2, Bruce Springsteen und Jürgen Drews auftreten werden. Gerüchten zu Folge soll Humpperdink sogar Mittel in Bewegung gesetzt haben, um den tödlich verunglückten Falco für diesen einen Abend wieder zum Leben zu erwecken. Karls Ursprünge liegen nämlich in Österreich, was neidische Karl-Gegner auch immer wieder dazu veranlasst Hitler-Vergleiche anzustellen.

Unvergesslich wird laut Humpperdink jedoch der Höhepunkt der Präsentation: In Zusammenarbeit mit der NASA wird mithilfe (noch) geheimer Technologie Karls Live-Bild um Punkt Mitternacht für eine Stunde auf den Vollmond projiziert.

 

Alles in allem erwartet uns also ein noch nie dagewesener Medienrummel, über den die Welt noch lange sprechen wird... Bis Karl erwachsen wird und uns die Zeitungen mit folgender Horror-Meldung schockieren:

 

"Skandal: Karl killt Kartoffel"

Veröffentlicht in Satire und mehr

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